Jede Menge Schnee. Und sonst? Lippstadt 3. Januar 2010
Bei der Anmeldung zum Tagebuchprojekt hatte ich nicht damit gerechnet einen so frühen Termin im Jahr zugewiesen zu bekommen. Zumal der 3. Januar der erste Sonntag im neuen Jahr ist und damit in der Regel nicht zu den ereignisreichsten Tagen im Jahr zählt. Aber kneifen gilt nicht. Machen wir also das Beste daraus. Immerhin hilft mir das Wetter ein wenig. In der Nacht ist zu dem in der Neujahrsnacht gefallenen Schnee noch einiges dazu gekommen. Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr gibt es in Lippstadt eine mehrere Tage andauernde Schnee- und Dauerfrostperiode. Normales Winterwetter eigentlich. Abgesehen von der Extremkälte im Januar 2009 ist dies in Lippstadt in den letzten Jahrzehnten äußerst selten vorgekommen. Genießen wir es also, bevor wieder das in Lippstadt übliche Regen-, Graupel- und Matschwetter bei Temperaturen von +1 bis +10°C zurück kommt. 
Der Tagesablauf an diesem ersten Sonntag gestaltet sich erwartungsgemäß ruhig und wird im Wesentlichen durch das Wetter geprägt. Vor dem Brötchen holen wird zuerst der Wagen von Eis und Schnee befreit. Wenn man schon einmal wetterfest angezogen ist, wird auch gleich der Schnee vor der Haustür geräumt. Nach dem Frühstück geht es ins Fitnessstudio. Die Advents- und Weihnachtstage haben Spuren hinterlassen. Am Nachmittag mache ich einen Spaziergang, bei dem ich ein paar Fotos von der Winterlandschaft mache. Den Rest des Tages nutze ich um ein paar liegengebliebene Schreibarbeiten zu erledigen.
Wie bereits erwähnt verlaufen solche ersten Sonntage im Jahr meist ohne große, erwähnenswerte Ereignisse. Die harmonische Weihnachtszeit hat manche heiße Diskussion abkühlen lassen und die Wirkung des Silvesterkaters hält bei so machen noch an. Es sei denn man steckt bei der Rückreise aus dem Skiurlaub im Stau oder man interessiert sich für das Stadtpokalturnier in der Lippe-Schule. Winterurlaub war in diesem Jahr leider nicht drin und Fußball lockt mich heute auch nicht hinter
dem Ofen hervor. Um doch noch ein ergiebiges Thema zu diesem Tag zu finden hilft mir vielleicht ein Blick in das Internet. In den überregionalen Nachrichten bestimmen die Folgen der Wirtschaftskrise, der Afghanistankonflikt, ein verhinderter Terroranschlag auf ein Passagierflugzeug auf dem Weg in die USA und die daraus entstandene Diskussion um sogenannte Körperscanner, eine Steuerreform die mal wieder keine ist, ein verhindertes Attentat auf den Verfasser der Mohammed-Karikaturen und ein Flugzeug das auf dem Flughafen Dortmund über die Landebahn gerutscht ist, die Schlagzeilen. Das alles mag der Lippstädter wahrnehmen, wirklich interessieren tun ihn aber die Themen, die ihn direkt betreffen. Um dies heraus zu finden habe ich bereits vor einigen Tagen ebenfalls das Internet bemüht, und wie man neudeutsch sagt, gegoogelt. Dabei bin ich neben den bekannten Seiten der lokalen Mediengrößen auf einen Blog gestoßen, der sich mit Lippstadt befasst. Leider sind den Bloggern aber irgendwann in der Adventszeit die Themen ausgegangen.
Der letzte Eintrag befasst sich mit der mangelhaften Qualität der gelben Säcke. In früheren Einträgen beschweren sich einige der Blogger über das langweilige Nachtleben in der Stadt. An diesem Wochenende könnten sie Recht haben. Jedoch sind Wochenenden wie dieses in Lippstadt nicht die Regel. Betrachtet man die Größe der Stadt und vergleicht man sich mit den Nachbarstädten (wozu ich in jüngerer Vergangenheit oft Gelegenheit hatte) kann man in Lippstadt sehr zufrieden sein.
Zum Schluss stelle ich mir die Frage, ob alles das was ich hier geschrieben habe überhaupt jemand interessiert. Vielleicht wird in ferner Zukunft jemand sich einen Eindruck machen wollen, was wir vor vielleicht 825 Jahren so gedacht haben. Es könnte ja sein, dass an diesem Sonntag etwas Großartiges begonnen worden ist und wir es nur noch nicht bemerkt haben. So wie vor 825 Jahren, als ein gelangweilter Graf an einem verschneiten Wintersonntag, um das Beste aus dem Tag zu machen, den Vorsatz fasste, eine Stadt zu gründen;) Jürgen Löwenberg

